1964 – Fußballspieler des TuS Harsefeld schließen Freundschaft mit Asfeld

Am 05. Juli 1963 unterschrieben der französische Staatspräsident de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Adenauer ein Regierungsabkommen, sie gründeten das „Deutsch-Französische Jugendwerk“.
Zweck war die „Förderung der Beziehungen der deutschen und französischen Jugend zur Vertiefung des gegenseitigen Verständnisses“.
Das Jugendwerk hat seit seinem Bestehen die Begegnung von etwa 6,5 Millionen jungen Deutschen und Franzosen ermöglicht!

Gut ein Jahr nach der Gründung des Jugendwerks und knapp zwei Jahre vor dem Abschluss des Freundschaftsvertrages zwischen den Gemeinden Harsefeld und Asfeld in Frankreich kam es zu der ersten Sportbegegnung zwischen den Herrenfußballmannschaften des TuS Harsefeld und des Amicale Sportive Asfeld.
Initiiert und geleitet wurde die Fahrt von dem damaligen Vorsitzenden Paul Reisener und seiner Frau Erika, die Schriftwartin war. Fußballobmann Hinrich Klindt war für den fußballsportlichen Bereich zuständig, Mannschaftsführer und gleichzeitig 2. Vorsitzender des Vereins war Wilhelm Holsten.
Als Dolmetscher bewährte sich der leider verstorbene Sportkamerad Bernd Lütjen, damals Gymnasiast und Mitspieler.
Vorsitzender des Asfelder Fußballklubs war Dr. Tramuset.
Bürgermeister Dr. Landès und seine Frau Marie-Therese hatten die Schirmherrschaft für den Besuch und die gesamte Organisation übernommen.
Die Fahrt mit dem Reese-Bus „Bubi“ führte die Harsefelder nach Aachen. Im Mittelpunkt der Stadtbesichtigung stand das Stadion „Tivoli“. Übernachtet wurde in der Jugendherberge. Um 22 Uhr sollte die Herberge abgeschlossen werden. Daher mussten sich die Spieler sehr beeilen, um mit Bier die nötige Bettschwere zu bekommen. Sie schickten vorsorglich zwei Kameraden schon einmal in die nächstgelegene Wirtschaft. Die bestellten beim verdutzten Wirt 20 Biere. Und als er eingeschenkt hatte, fanden alle Biere ihren Abnehmer.


Am nächsten Tag ging es weiter über Lüttich und Namur an der landschaftlich wunderschönen Maas entlang nach Asfeld, einem kleinen Ort in den Ardennen.
Der Bus wurde am Ortseingang „abgefangen“ und zum Rathaus geführt. In dem mit den französischen und deutschen Fahnen geschmückten Saal wurden die Harsefelder in Anwesenheit des Gemeinderates herzlich willkommen geheißen.
Angestoßen wurde mit Champagner, dem Getränk, das die Harsefelder neben dem Rotwein schätzen lernten. Anschließend brachte man die Gäste privat unter, was wegen der fehlenden Sprachkenntnisse zu manchem Spaß und vielen Missverständnissen führte.
Beim gemeinsamen Essen am ersten Abend stand Baguette auf dem Tisch, dazu wurde ein Stückchen Pastete gereicht. Die Fußballer hatten Hunger - und im Nu war nicht nur die Pastete, sondern auch das Brot aufgegessen. Die meisten waren noch nie in Frankreich gewesen und dachten: „Das war’s“. Aber dann kam der nächste, und der nächste, und der nächste Gang ... und alle wurden mehr als satt und fanden die französische Art zu essen sehr nachahmenswert.
Auch mit den Betten gab es einige Probleme: Viele trauten sich nicht, die an der Seite des Bettes eingeklemmte Decke hochzuziehen und sich dann damit zuzudecken. Sie glaubten, das Plumeau sei die Zudecke. Kalte Füße waren die Folge.
Unvergessen ist allen die Einladung bei Bürgermeister Dr.
Landès und seiner Frau. Herzliche Worte, Rotwein und Häppchen erfreuten die Harsefelder. Sie revanchierten sich mit deutschen Volks- und sogar Weihnachtsliedern (im Oktober!). Die Harsefelder sparten nicht mit Beifall, als das Hausmädchen des Ehepaares Landès einige Lieder vortrug.
Tief bewegt waren alle, als sich eine französische Delegation von Kriegsveteranen mit Fahnen und Musik zusammen mit den Sportlern und den Bürgern von Asfeld vor dem Rathaus versammelte, um dann gemeinsam am französischen Ehrenmal und auf dem deutschen Soldatenfriedhof Kränze niederzulegen: Freundschaft soll künftig zwischen Asfeld und Harsefeld, zwischen Frankreich und Deutschland die Schatten der Vergangenheit vertreiben.
Im Anschluß daran fand das erste Fußballspiel statt. Viele Zuschauer waren gekommen, um sich das „Spektakel“ anzusehen. Es waren wohl mehr Zuschauer da, als Asfeld damals an Einwohnern hatte. Die Nationalhymnen erklangen ... Die Harsefelder gewannen das Spiel haushoch, aber das war ohne Belang, wichtig war die Begegnung.

Beim Empfang im Ratshaus nach dem Spiel sagte Dr.Landès  u. a.:

„Ich bin glücklich, als Bürgermeister  unsere Gäste herzlich willkommen zu heißen und bedanke mich bei Ihnen für die bemerkenswerte Art, in der Sie diesen Nachmittag gestaltet haben. ... Sie haben uns hier eine großartige Darbietung des Fußballsports gezeigt, und das Publikum war glücklich, Ihnen applaudieren zu dürfen ... Solche Begegnungen müssen die Freundschaft zwischen allen Völkern vertiefen und diese Begegnungen sollen sie ausweiten. Wir werden es auf diese Weise vermeiden, wieder Kriege erleben zu müssen und werden nie wieder Denkmäler bauen müssen wie jene, vor denen wir uns zu Beginn dieses Nachmittags verneigt haben.

Der 1. Vorsitzendes des TuS Harsefeld, Paul Reisener, erwiderte:

„Unsere beiden Völker haben in der Vergangenheit während schrecklicher Kriege viel erdulden müssen. Am heutigen Nachmittag haben wir uns gemeinsam einen Kampf anderer Art geliefert, aus dem eine große Freundschaft entstanden ist. ... Wir haben die Überzeugung, dass wir gemeinsam die Möglichkeiten haben, diese Freundschaft, die niemals Raum für andere Konflikte lassen wird, für immer herrschen zu lassen“.

Das anschließende gemeinsame Essen sowie die Anwesenheit des Landrats aus Rethel zeigten die große Bedeutung, die dem Besuch beigemessen wurde.

In seiner Tischrede sagte Dr. Landès: „Wir wünschen uns, dass diese Begegnungen häufig stattfinden, da sie dazu führen, die freundschaftlichen Bande zwischen unseren Völkern und die Zusammenarbeit, die wir uns in zunehmendem Maße enger wünschen, zu festigen ... Richten Sie Ihren Mitbürgern aus, dass alle Einwohner Asfelds Ihre Freunde sind.“

Dr. Tramuset, der Präsident des Asfelder Fußballvereins meinte: „Ich bedaure, nicht später auf die Welt gekommen zu sein, weil wir sonst die Möglichkeit gehabt hätten, uns auf anderen, viel sympatherischen Feldern zu bekämpfen als jene, auf denen wir uns unlängst gegenüber standen ...“

Der Landrat: „Folgen Sie nicht dem Beispiel von uns Älteren, sondern liefern Sie das Vorbild einer Verbindung, die Sie nicht versäumen werden, sie schließlich zu besiegeln...“.

Den Harsefeldern gab er mit auf den Weg: „Ich wünsche, dass Sie von diesem schönen Ort der Ardennen die besten Erinnerungen behalten und dass Sie so häufig wie möglich dorthin zurückkehren mögen.“

Paul Reisener bedankte sich: Wir sind alle glücklich, Ihre Gäste sein zu dürfen. Sie haben uns mit großer Freundschaft aufgenommen. Dafür danken wir Ihnen allen, Ihnen, Herr Doktor Landès und Ihrer Frau, den Asfelder Ratsherren, den Fußballspielern aus Asfeld, allen Bürgern Ihrer Gemeinde!“

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Das Menu:

     Rosa Lachs aus der Aisne mit grüner Soße

     Weiße Blutwurst aus Rethel in Brioche

     Lamm aus der Champagne mit Bohnen aus Soissons

     Eichblattsalat aus der Region

     Asfelder Käse und andere französische Käsesorten

     Mont-Blanc-Eis mit Eiswaffeln aus Reims

     Zu trinken gab es Blanc de Blancs de la Montagne de Reims/Rotweine der  

     Weinbauregionen Beaujolais und Bordeaux

     Champagner – Kaffee - Liköre
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Beim zweiten Spiel hatten sich die Asfelder durch 6 Spieler von anderen Vereinen verstärkt. Aber auch dieses Spiel verloren sie. Das veranlasste den Präsidenten des Vereins, Dr. Tramuset, neben dem Dank für den Freundschaftsbesuch von einer „Fußballdemonstration“ zu sprechen.

Natürlich wurde nicht nur Fußball gespielt oder gefeiert, auch Asfeld selbst und die Umgebung wurden ausführlich besichtigt.
Ein Erlebnis besonderer Art war die Besichtigung der Asfelder Kirche, die wegen ihrer barocken italienischen Baukunst mit Kuppeln und Kolonnaden weit über die Region hin bekannt ist. Ihr Grundriss hat die Form einer Bassgeige („... damit die Gebete zu Gott steigen ...“).
Die Asfelder Käserei (Brie!) war für die meisten sehr interessant, nicht zuletzt wegen der Kostproben von Käse und Rotwein.
Und von dem Getreidesilo aus hatte man einen guten Überblick über den Ort und den Kanal.
Eindrucksvoll war eine Fahrt nach Verdun, dem Ort, bei dem im 1. Weltkrieg so viele Franzosen und Deutsche ihr Leben verloren haben. Beklommen blickten die Harsefelder durch die Fenster im sogenannten Beinhaus. Hier werden bis heute die Knochen der gefallenen deutschen und französischen Soldaten aufbewahrt.
In nicht einmal 100 Jahren haben die beiden Völker dreimal Krieg gegeneinander geführt, den 1. Weltkrieg haben die Asfelder hautnah miterleben müssen. Daher empfanden es die Harsefelder Gäste als ermutigend, als sehr persönliche Geste, dass auch die älteren Asfelder so sehr um das Entstehen einer Freundschaft, um eine Versöhnung bemüht waren. Besonders in Erinnerung ist geblieben, dass kurz vor der Abfahrt ein älterer Asfelder mit einigen Flaschen Wein, einer Rarität, die er selbst gekeltert hatte, an den Bus kam und sie mit dem Wunsch verschenkte, dieser Besuch möge dazu beitragen, dass Deutschland und Frankreich endlich Freunde werden .... und weiter: „Ihr müsst wiederkommen!“.

Die Rückfahrt der Fußballer führte dann über Paris, Brüssel wieder nach Harsefeld.
Alle, die an der Fahrt teilgenommen haben, werden sie nie vergessen. Sie werden sich immer an die freundliche, an die herzliche Aufnahme erinnern. Die Reise der Fußballspieler 1964 war die erste in der Reihe der vielen Fahrten nach und von Asfeld.
Beide Gemeinden sind seit 1966 Partnergemeinden, eng befreundet – und die 1. Herrenmannschaftdes TuS Harsefeld hat im Jahre 1964 wesentlich dazu beigetragen!

(In dieser Schrift: Zitate aus französischen Zeitungen)

Niedergeschrieben von Paul Reisener