Die erste Asfeldfahrt (1965)

„Harsefeld – Paris“ stand auf dem Bus, als im Oktober 1965 die ersten Harsefelder Schüler nach Frankreich fuhren. Das Ziel war aber Asfeld!
Diese Fahrt war schon ein Gegenbesuch, denn im Sommer 65 war schon eine Gruppe Schüler aus Asfeld in Harsefeld gewesen. Das Interesse der Harsefelder war so groß, dass die Plätze für die Schüler der 9. Klassen verlost werden mussten.
„Buxtehude war das Höchste", wohin man als Jugendlicher in der damaligen Zeit normalerweise kam. Oder unter Umständen schon mal an die Nordsee. Und jetzt ging es für 23 junge Leute gleich nach Frankreich und auch noch nach Paris. Begleitet wurden sie von Frau Sinemus und Herrn Reisener.
Die Austauschfahrt dauerte auch damals, wie heute, 14 Tage. Allerdings nahm man sich für Hin- und Rückreise jeweils zwei Tage Zeit. Hinzu führte der Weg durch die Eifel, und es wurde in Monschau übernachtet.
Schließlich kam man spät abends am Ziel an. Die Augen waren groß, auf beiden Seiten. Die große Herzlichkeit beim Empfang im Bürgermeisteramt (und auch der ausgeschenkte Champagner) waren der Anfang von 10 sehr angenehmen und schönen Tagen, an die man sich auch heute noch gerne und gut zurückerinnert. Man verstand sich bestens. „Wie ein Sohn fühlte ich mich“, sagte nicht nur ein Teilnehmer.
Amüsements gab es z.B. durch die nicht perfekten Sprachkenntnisse, wenn z.B. Marie sagte : „ Je suis mariée avec le mairie! » oder dass man im Oktober im Garten des Bürgermeisters, M. Landès, deutsche Weihnachtslieder darbot. Jeder war angetan vom französischen Essen mit den vielen Gängen und dem dazu angebotenen Wein. Und wohl jeder aß die ersten Pommes seines Lebens!
Wenn man am Unterricht im Asfelder Collège teilnahm, traf man die deutschen Mitschüler; ansonsten nahm das französische Familienleben einen breiten Raum ein. Man war noch nicht so beweglich wie heute, um seine deutschen Freunde im Nachbarort mal eben zu besuchen.
Daneben gab es ein breites Programm: die Besichtigung der Käserei in Asfeld und einer Zuckerfabrik in der Umgebung, eine Fahrt nach Reims und durch die Reimser Berge mit Besichtigung einer Champagnerkellerei, eine Fahrt nach Verdun und eine nach Paris. Dieses Programm war so abwechslungsreich und gut, dass es noch heute das Grundgerüst der Schüleraustauschfahrten ist.
Bei einer dieser Unternehmungen hatte sich eine Schülerin, die an diesem Tag auch noch Geburtstag hatte, mit ihren französischen Freunden verlaufen und fand nicht mehr zurück zum Bus, was immer mal vorkommen kann. Nach langer Suche fand man die Vermissten, und Schüler und Lehrer waren froh darüber. Dennoch bekam die deutsche Schülerin eine Ohrfeige von ihrer Lehrerin. Das ist heute nicht mehr so.
Die Fahrt nach Verdun hat bei manchem einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich war in der Vergangenheit sehr starken Belastungsproben ausgesetzt gewesen. Das war den Schülern bekannt. Auch, dass sie als Deutsche leicht in ein Fettnäpfchen treten konnten, und etliche waren sich auch bewusst, dass sie einen Beitrag zur neuen deutsch-französischen Freundschaft leisteten. Manche Leute verhielten sich den Deutschen gegenüber etwas reserviert, aber in den Gastfamilien in und um Asfeld war nichts von früheren Problemen zu spüren, nichts von Ressentiments. Der Schüleraustausch war belastungsfrei.
Höhepunkt war aber zweifelsohne der Ausflug nach Paris, der zusammen mit den gastgebenden Schülern durchgeführt wurde. Der Arc de Triomphe war „en pyjama“, zur Restaurierung eingerüstet! Als schließlich die Sonne wunderschön hinter dem Eifelturm unterging, war der eine Tag in Paris leider schon wieder vorbei.
Auch der Abschied von Asfeld fiel schließlich schwer, und mindestens bis Luxemburg gab es noch Tränen. Übernachtet wurde dann in Hermeskeil im Hunsrück.
Die meisten Kontakte zwischen den Harsefelder und Asfelder Schülern schliefen leider bald wieder ein. Aber für etliche war das allgemeine Interesse an Frankreich, an der französischen Lebensart dermaßen geweckt, dass sie immer mal wieder nach Frankreich in den Urlaub und anderweitig Beziehungen zu diesem gastfreundlichen und liebenswürdigen Land knüpften.
Eines blieb aber: die begonnene Freundschaft zwischen den Gemeinden und Schulen. Als Souvenir im Gepäck dieser ersten Schüleraustauschfahrt war ein Entwurf des Freundschaftsvertrages, der schließlich am 05. April 1966 die letzte Zustimmung erfuhr. 

Jochen Zenker (Übernommen aus der Jubiläumsbroschüre von 1991)